LINDAU - DAF Sommerschule

 

Bericht von Marta Stapert über den Workshop Focusing mit Kindern’ in der DAF-Sommerschule, 29 Juli – 2 August 2000 in Achberg Trainerinnen (aus den Niederlanden)

Marta Stapert, Kinderpsychotherapeutin, Focusingtrainerin, Koordinatorin für Children’s Focusing Corner Ynse Stapert, Andragologe, Senior-Supervisor und –Ausbilder, Focusingtrainer. Er war der Moderator dieses Workshops

Ich möchte diesen Bericht schreiben, um euch Einblick zu geben, wie Focusing mit Kindern möglich ist, und wie wir daran gearbeitet haben in diesem wunderbaren, intensiven Workshop, sodass hoffentlich auch ihr etwas davon mitbekommt und interessiert werdet, selbst damit einen Anfang zu machen.

Wir haben die Gelegenheit gehabt mit 14 TeilnehmerInnen durchgehend 24 Stunden miteinander zu arbeiten über das Thema: ‘Wie können wir mit Kindern Focusing machen’.Die Teilnehmerinnen kamen aus den Bereichen: eigene Familie, Schule, Gruppenarbeit im Kinderschutzbund und in der Kinderpsychiatrie, Einzel-Psychotherapie / -Spieltherapie mit Kindern, Arbeit mit Eltern und Kindern / Babies, Ergo-therapie.

Wir haben uns mit diesen verschiedenen Situationen beschäftigt: wie kann Focusing mit Kindern dort statt finden? Und wir haben zu den verschieden Lebensabschnitten gearbeitet: Babies, das Kleinkind, Grundschul-Alter, Adoleszenten.

Ein durchlaufender Faden war, dass unser inneres Kind auch immer anwesend ist. Es fragt auch nach unserer Aufmerksamkeit, wenn wir mit Kindern beschäftigt sind: Wie kommen unsere eigenen Erziehungserfahrungen zwischen uns und das Kind?

Und wir können viel von dem inneren Kind lernen! Wir haben uns zB gefragt: “Wie fühlt sich in uns das Kind von einen sicheren Lebensalter an?” Es formte einen bestimmten /stabilen Untergrund für unsere Grundhaltung jetzt mit einem Kind.Wir haben viel geübt und erfahren: mit Rollenspielen, in der grossen Gruppe und in Kleingruppen-Arbeit. Von diesen Erfahrungen aus haben wir unsere Lern-Schritte formen können.

Wir haben oft auf solche Art und Weise gearbeitet, wie wir auch gerne Focusing mit Kindern machen, durch Symbolisierung: mit malen, zeichnen, Farbe geben, darstellen.

Eine fokussierende Grundhaltung mit Kindern im Alltag ist unsere erste Herausforderung, wobei die / der Erwachsene(r) auch eigene Grenze schützen kann.

Ausgangspunkt ist und bleibt, dass wir dem Kind folgen in seinem eigenen Wissen, in seiner Lösungsfähigkeit. Im Focusing mit Erwachsenen ist es so selbstverständlich, dass der Focuser weiss, wohin ‘es’ gehen möchte. Von dort kommen die Wachstums-Schritte. Unsere Fallgrube bei Kindern ist, dass die Erwachsenen immer wieder denken, dass sie klüger sind, es besser wissen als das Kind.Also, zuerst: das Kind ernst nehmen… zuhören…folgen… und eine Spiegelung geben… etwas wiederholen, was das Kind uns anvertraut.Focusing mit Kindern sind oft Mini-Prozesse. Ein Unterschied zu Focusing mit Erwachsenen ist, dass Kinder nicht eine halbe Stunde mit geschlossenen Augen sitzen bleiben.

Grundsätzlich können Kinder leicht mit Focusing umgehen und sie können den ganzen Focusingprozeß gebrauchen.

Wichtig ist, dass wir den Kindern den Focusing-Prozess lehren, sodass sie es auch selbständig anwenden können. Sei nicht erstaunt, wenn sie es in den nächsten Tag ihren Freunden beibringen! Insbesondere in der Adoleszens ist es wichtig, dass wir Kinder respektieren in ihrem Wachstum zur Unabhängigkeit.

Insbesondere ‘Frei Raum’ machen kann sehr hilfreich sein für Kinder. Sie können das oft selbständig machen, aber auch der/die Lehrer (in) oder Gruppenleiter(in) kann es. z.B. wie ein Projekt regelmässig im Gruppengeschehen anwenden. Es schafft Offenheit und Konzentration. Die Kinder lernen, mit ihren Schwierigkeiten umzugehen.Wie wäre es, einen grossen Baum im Gruppenzimmer zu malen, und regelmässig dort allen Kummer, alle Sorgen, Schmerzen, Probleme hinein zu hängen oder mit gelben ‘Fix-it’ Papieren anzukleben? Oder ein Zeichenheft zu haben, in das man seine Sorgen hineinmalen kann? Es brauchen keine schönen Zeichnungen zu sein: “Deine Hand weiss, wie sie es malen will, welche Farben dazu gehören. Nur die Frage ist wichtig, was von innen heraus kommmen möchte…”Die Symbolisierung ist im Focusing mit Kindern besonderes wichtig. Das, was noch vage und unbestimmt war, bekommt eine Bedeutung, die von innen nach aussen kommen kann.Ein sehr besonderes Thema ist Focusing mit Babies. Wichtig ist, zu erkennen, wie stark das innere Wissen von Babies ist, dass wir auch hier folgen und uns an ihren eigenen Wachstumsschritte erfreuen. Die Babies haben uns schon so viel zu schenken. Zerstöre es nicht.

Sehr frühe Schmerzen, Schreck, unangenehme Erfahrungen sind nicht zu vermeiden. Wie oft tragen wir diese Erlebnisse mit uns in das Erwachsensein hinein, weil sie nicht wahrgenommen worden sind.

Wie wunderbar ist es, wenn wir jetzt die Babies um Erlaubnis fragen, ob wir ihrem Erleben Wörter geben dürfen. Dort brauchen wir all unsere Einfühlungsfähigkeit sowohl in die Situation als auch in die Gefühle zu diesen Erlebnissen. Es ist ein Wunder, wie das Baby sich umdreht, wenn es genug ist…wie es wieder zuhört mit offenen aufmerksamen Augen… eine Veränderung / Verschiebung in der Atmung zeigt, wenn es klappt! Wenn ‘es’gehört geworden ist, kann es sich lösen.Dies war ein kurzer Überblick auf Themen vom Workshop in der DAF-Sommerschule.

Children’s Focusing Corner ist eine Arbeitsgruppe von ‘The International Focusing Institute’. ChFC fördert Focusing mit Kindern.

Besuche in der ChFC Homepage www.focusing.org/children sind möglich.

Dort gibt es auch Informationen mit Anmeldeformular für die 2e Internationale Kinderkonferenz

‘Focusing mit Kindern’ vom 21 – 25 Oktober 2000, in Ungarn. In der Konferenz gibt es Lerngruppen für obengenannte Themen, Plenums und Sitzungen, Arbeit mit kreativen Mitteln beim Focusing, Selbstreflexions-/Focusing- Gruppen, und die Möglichkeit für eigene Beiträge der TeilnehmerInnen.

Sprache: Englisch, Deutsch, Ungarisch, mit vielen Dolmetschern

Wenn ihr schnell schreibt, könnt ihr euch noch melden!

August 2000,

Marta Stapert